Die besten Gefährten

Imam Hussein as sagte zu seinen Gefährten:

„Ich bin sehr zufrieden mit euch. Ich kenne keine loyalere und bessere Gefährten als meine.“

In der Tat waren Imam Husseins (as) Gefährten die treusten und besten Gefährten. Kein anderer Gefährte – weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft – hatte solche Eigenschaften. Den Gefährten von Imam Hussein (as) war es von Anfang an bewusst, dass sie in dieser Schlacht als Märtyrer enden werden, dennoch hielt es sie nicht davon ab, sich den Feinden Imam Husseins (as) zu stellen.

Zu dieser Zeit war es für die meisten Menschen nicht selbstverständlich, sich zusammen mit dem Enkelkind des heiligen Propheten (sawas) im Namen des Islams zu opfern. Im Gegenteil, wir reden von einer Zeit, in der den meisten Menschen das eigene Leben im Diesseits viel kostbarer war als im Jenseits. Folglich waren Imam Husseins (as) Gefährten Menschen mit hohem Rang vor Allah (swt).

Einige der treuen Gefährten des Imams stellen wir euch hier im Einzelnen vor:

 

Habib ibn Mudhahir

Habib ibn Mudhahir gehörte dem Banu-Asad Stamm an. Er war einer von den Leuten aus Kufa, die Briefe an Imam Hussein (as) schickten und ihn nach Kufa einluden. Doch bald realisierte Habib ibn Mudhahir, dass die Einwohner von Kufa ihre Loyalität gegenüber Imam Hussein (as) brachen.

Trotz dessen dachte er keine Sekunde daran, sich nicht Imam Husseins Armee anzuschließen. Er verließ Kufa und folgte Imam Hussein (as) nach Karbala.

Habib leistet einen großen Beitrag in Karbala. Imam Husseins (as) Armee war in drei Sektionen gegliedert: ein rechter Flügel, ein linker Flügel und die Ahl-ul-Bayt (as).

Habib ibn Madhahir, der sich schon in einem älteren Lebensalter befand (er war 75 Jahre alt), war zuständig für den linken Flügel. Dieser tapfere Gefährte hat 62 feindliche Soldaten getötet, bevor er selbst auf grauenvolle Art von Yazids Mann Shimr ibn Dhil-Jawshan enthauptet wurde.

 

Hur

Hur war einer der hochrangigsten Soldaten der Armee von Omar ibn e-Saad in Kufa. Sobald man erfuhr, dass Imam Hussein (as) in der Nähe Kufas war, wurden Hur und etwa tausend weitere Soldaten entsandt, um Imam Hussein (as) den Eintritt nach Kufa zu verweigern.

Als Hur und seine Soldaten auf Imam Hussein (as) trafen waren sie sehr durstig. Daraufhin bat Hur den Imam um Wasser. Großzügig forderte Imam Hussein (as) seine Gefährten auf, Hur und dessen Soldaten Wasser zu geben.

Hurs Auftrag war es, entweder einen Treueschwur von Imam Hussein (as) für Yazids korruptes Khalifat zu erlangen oder ihn umzubringen. Jedoch dachte Imam Hussein (as) nicht einmal daran, jemals Yazid Treue zu schwören.

Am Tag von Aschura traf Hur eine große Entscheidung: Er schloss sich Imam Husseins (as) Armee an. Er war der erste, der in der Schlacht gefallen ist.

Doch was bewegte Hur zum Wechseln der Seiten? In der Nacht zu Aschura konnte Hur die Kinder von Imam Hussein (as) vor lauter Durst weinen hören. Es war Hur selbst, der von Imam Hussein (as) mit Wasser versorgt wurde und nun hörte er das Weinen von durstgeplagten Kindern.

Hur befand sich in einem Dilemma zwischen seiner Pflicht als Soldat und seinem islamischen Glauben. Doch letztendlich entschied er sich für den Islam und Imam Hussein (as). Er bat, niederwerfend, Imam Hussein (as) um Vergebung. Der Name „Hur“ bedeutet „frei“. Imam Hussein (as) ging zu Hurs blutendem Körper und ließ ihn kurz vor seinem Tode folgendes wissen:

„O Hur! Gott segne dich! Du bist frei – sowohl im Diesseits als auch im Jenseits – genauso wie deine Mutter dich nannte.“

Hur galt als Vorbild für viele, denn nach ihm schlossen sich etwa 30 weitere Soldaten Imam Hussein (as) an.

 

Wahab ibn Abdullah Qalbi

Qalb war ein großer Stamm und dessen meisten Anhänger waren Christen, darunter auch der junge Wahab ibn Abdullah Qalbi. Wahab war frisch verheiratet mit seiner 12-jährigen Frau.

Als seine Karawane auf Imam Husseins (as) Armee traf, hörte Wahab den Reden Imam Husseins (as) zu. Beeindruckt von Imam Husseins (as) Persönlichkeit, Ehrlichkeit, Wissen und Religiosität, sprach Wahab ständig mit seiner Mutter darüber.

Schließlich kamen sie in Karbala an. Dort war alles anders – jeder wusste, dass das Bleiben mit Imam Hussein (as) den Tod als Folge hatte. Wahab fragte seine Mutter in der Nacht zu Ashura, was er in dieser Situation tun solle, da sich seiner Meinung nach Imam Hussein (as) im Recht befand.

Er sah es daher als eine Schande, Imam Hussein (as) alleine zu lassen, wo er doch jetzt von blutrünstigen Feinden umgeben war. Die Mutter antwortete ihm, dass sie mit Imam Hussein (as) bleiben werden, da ihr Sohn der festen Überzeugung war, dass dies richtig sei. Wahab ging zu Imam Hussein (as) und fragte ihn um Erlaubnis, in den Kampf einzutreten.

Imam Hussein (as) jedoch, obwohl überwältig von Wahabs Wille, erklärte ihm, dass dies ein Kampf zwischen Muslimen war. Wahab war bis dahin noch ein Christ. Daraufhin sagte Wahab:

„O Enkelkind des heiligen Propheten des Islams! Wenn das der Fall ist, dann bin ich von diesem Moment an ein Muslim.“

Er rezitierte das Glaubensbekenntnis (Kalima) und nun konnte Imam Hussein (as) ihn vom Kampf nicht mehr abhalten. Als Wahab aufbrach, suchte seine verzweifelte junge Ehefrau den Imam auf und fragte ihn, ob Wahab in das Paradies eintritt, wenn er für den Islam und den Imam kämpft und ob er zusammen mit ihr, seiner Frau, ins Paradies eintreten würde.

Imam Hussein (as) versicherte ihr, dass Wahab sich auf dem rechten Weg befindet und sie beide zusammen das Licht des Paradieses erblicken würden. Und so geschah es auch. Als Wahab, nachdem er zahlreiche Feinde beseitigte, selbst zu Boden fiel, rannte seine Frau weinend zu ihm. Von einem feindlichen Soldaten wurde sie schließlich neben ihrem Wahab umgebracht und somit wurde Imam Husseins (as) Versprechen an Wahabs Frau wahr.

 

Qais ibn Mushir

Qais ibn Mushir war eine wichtige Persönlichkeit der Schiiten in Kufa. Die Kufiten schickten ihn zu Imam Hussein (as) um ihn als ihren Imam nach Kufa zu holen. Als Imam Hussein (as) entschied, nach Kufa zu gehen, sandte er Muslim ibn Aqil dorthin, um mehr über die dortige Situation zu erfahren.

Qais begleitete Muslim ibn Aqil nach Kufa und kam stolz mit der Nachricht zurück, dass die Kufiten treu seien. Anschließend begleitete Qais den Imam nach Kufa.

Als Imam Husseins (as) Karawane die Stadt al-Haajir erreichte, beschloss er Qais mit einem Ankündigungsbrief zu den Kufiten zu schicken. Qais galt als „Safeerat-ul-Hussein“ (Botschafter des Imam Husseins as).

Das alles geschah noch bevor der Imam vom Märtyrium Muslim ibn Aqils erfuhr. Qais kam im Vorort al-Qadassiya an. Dort erfuhr er, dass der neue Gouverneur Ubaydullah ibn Ziyad ankam, und dass versucht wurde, Muslim ibn Aqil gefangen zu nehmen. Qais wusste nicht genau was er tun soll: Sollte er lieber zu Imam Hussein (as) mit der Warnung vor der Situation in Kufa zurückkehren, oder sollte er sich lieber in die Stadt trauen, um Muslim ibn Aqil beizustehen? Qais beschloss Muslim ibn Aqil zu helfen und somit in die Stadt einzudringen, jedoch war es derselbe Morgen, an dem Muslim ibn Aqil hingerichtet wurde.

Auf dem Weg in die Stadt kämpfte Qais mutig gegen die Soldaten, jedoch wurde er bald von den Soldaten ibn Ziyads gefangen genommen. Dieser wollte, dass Qais Imam Hussein (as) verflucht, andernfalls würde er ihn umbringen. Qais rief mit lauter Stimme:

„Oh Leute Kufas, ich bin der Botschafter Imam Hussain ibn Alis. Ich bezeuge vor euch, dass Hussain, der Enkel unseres heiligen Propheten (saas) der beste aller lebenden Menschen ist!“

Anschließend sprach Qais Allahs (swt) Fluch auf ibn Ziyad und Yazid und Gottes (swt) Segen auf Imam Ali (as) und Imam Hussein (as) aus. Ibn Ziyad konnte seinen Ohren nicht trauen und befahl wuterfüllt, Qais vom Dach des Palastes hinunter zu werfen. Qais fiel mit den Worten „Mein Salam an dich, oh mein Herr Hussein ibn Ali (as)!“.

 

Zuhair ibn Qain

Zuhair ibn Qain war ein Mitglied des Al-Bajali Stammes. Anfangs wollte Zuhair nicht einmal mit Imam Hussein (as) reden. Doch als er auf Imam Hussein (as) traf und seine Frau ihn dazu überredete, mit dem Imam ins Gespräch zu kommen, war er beeindruckt von Imam Husseins (as) Charakter. Daraufhin schloss er sich Imam Hussein (as) an.

In der Schlacht von Karbala brachte er 120 Feinde um, bevor er selbst zum Märtyrer wurde. Sein Mut und seine Kampfkunst beeindruckten sogar Shimr. Vor seinem Kampf ließ er sich von seiner Frau scheiden, damit Yazid und seine Männer seiner Familie nichts antun.

 

Said ibn Abdullah

Es war die Zeit zum Mittagsgebet gekommen und die meisten Gefährten Imam Husseins (as) waren bis dahin bereits als Märtyrer gefallen. Imam Hussein (as) leitete das Gebet. Sogar das Gebet ließ die Feinde nicht davon abhalten, Imam Hussein (as) und seine Gefährten mit Pfeilen abzuschießen. In diesem Augenblick stellten sich Said ibn Abdullah und ein weiterer Held namens Zuhair ibn Qain als Schutzschild vor Imam Hussein (as), nachdem sie dessen Erlaubnis hierfür erbaten. Beide Männer kamen ums Leben, doch haben sie ihr Leben „für etwas gelassen, was Allah am Liebsten ist, dem Ritualgebet!” (Imam Hussein as.)

 

Burair ibn Hamdani

Burair ibn Hamdani war sowohl ein ehemaliger Gefährte von Imam Ali (as) als auch von Imam Hussein (as). In der Ashuranacht beschloss er den Durst der Kinder zu stillen und machte sich zum Flussufer des Euphrats auf. Als er seinen Wasserbeutel auffüllte und sich auf den Rückweg machte, entdeckten ihn zwei von Yazids Soldaten. Mutig tötete Burair beide Soldaten, die ihn davon abhalten wollten, Wasser in Imam Husseins (as) Lager zu bringen. Im Lager, bei den vielen durstigen Kindern angekommen, stürzten sich all diese Kinder auf den Wasserbeutel. Der qualvolle Durst der Kinder konnte nicht gestillt werden, denn in diesem Gedränge wurde das Wasser verschüttet und dies traf Burair mit endlosem Schmerz. Schließlich ist auch Burair ibn Hamdani in der Schlacht in Karbala als Märtyrer gefallen.