Bedeutung des Fastens

„Der Monat Ramadan ist der, in dem der Quran nieder gesandt wurde: eine Leitung für die Menschen und deutliche Zeichen der Führung und Unterscheidung. Wer also von euch in diesem Monat da ist, der soll ihn durch fasten, ebenso viele andere Tage aber, wer krank oder auf Reisen ist. Gott will Erleichterung für euch, und Er will keine Erschwernis für euch, so dass ihr die Anzahl (der Tage) erfüllt und Gottes Größe verherrlicht dafür, dass Er euch geleitet hat, und dass ihr dankbar werdet.“ (Sure 2; Vers 184-186)

Mit diesem Vers im Heiligen Quran hat Allah (swt) einem jeden reifen und gesunden Muslim das Fasten während dem heiligen Monat Ramadan als Pflicht auferlegt. Doch welcher Sinn verbirgt sich eigentlich dahinter? Ist es wirklich nur der Verzicht auf Nahrung, welcher den meisten Menschen zuerst in den Sinn kommt, wenn sie an den Begriff „Fasten“ denken? Hinter der göttlichen Weisheit versteckt sich etwas viel tiefgründigeres, als „nur“ das Gefühl von Hunger und Durst zu verspüren.

Natürlich steckt in gewisserlei Hinsicht hinter der Verpflichtung zum Fasten eine körperlicher Aspekt, welcher der Verspüren eines Hunger- und Durstgefühls beinhaltet. Vorallem im heutigen Zeitalter wissen wir, denen es weder an Essen noch Trinken mangelt, kaum mehr was es eigentlich heißt, Hunger oder Durst zu haben. Wir besitzen Nahrungsmittel im Übermaß, können essen und trinken nach Lust und Laune. Das Fasten soll u.a. dazu beitragen, es sich mal wieder bewusst werden zu lassen, dass es Menschen gibt, die weder zu essen noch zu trinken haben und täglich daran sterben, und es zu schätzen zu wissen, dass wir diesen Luxus besitzen, dass es uns an nichts mangelt. Gleichzeitig trägt der Nahrungsverzicht auch zur innerlichen Reinigung unseres Körpers bei, Leber, Darm, Nieren etc werden entlastet und haben die Möglichkeit sich zu reinigen.

Imam Hassan al-Askari (as) wurde gefragt: “Warum wird gefastet?” Der Imam antwortete: “Damit auch der Reiche Hunger verspürt und somit mit den Armen mitfühlt. Ebenso, um Lob von Gott zu verdienen.”

Imam as-Sadiq (as) sagte: „Fasten bedeutet nicht, dass man sich nur des Essens und Trinkens enthält. Wenn ihr fastet, dann schützt eure Zunge vor dem Lügen, senkt eure Blicke vor dem, was Allah euch verboten, hat zu betrachten, kämpft nicht miteinander, seid aufeinander nicht eifersüchtig, redet nicht übereinander, nützt euch nicht gegenseitig aus und seid nicht ungerecht gegeneinander. Bleibt fern von falscher Anschuldigung, Lügen, Kampf, Verdächtigungen, Verleumdung und übler Nachrede. Seid einer von denen, die nach vorne blicken, das Jenseits im Auge, und wartet auf eure Tage, das erwartend, was Allah für diejenigen versprochen hat, die sich darauf vorbereitet haben, ihren Schöpfer zu treffen. Ihr müsst Ruhe, Besonnenheit, Gelassenheit, Demut, Gehorsam und Ernsthaftigkeit haben sowie die Unterwürfigkeit eines Dieners, der seinen Herrn fürchtet. Und fürchtet Allahs Strafe genauso wie ihr auf Seine Vergebung hofft.“

Wie dieser wundervolle Hadith unseren reinen Imams schon besagt, macht der körperliche Aspekt in Form von Nahrungsverzicht nur einen winzigen Bruchteil des Fastens aus. Der weitaus größer Teil dieser Weisheit, ist der seelische sowie spirituelle Aspekt. Unsere Seele zu reinigen, uns selbst zu erziehen, und Herr über uns selbst zu werden. Die Zeit des Fastens ist die beste Zeit um seine schlechten Eigenschaft abzulegen, sie durch gute zu ersetzen und den eigenen Charakter damit zu „schmücken“, uns in Geduld zu üben, das Fluchen und Schimpfen zu vermeiden und ein gutes Benehmen an den Tag zu legen, den eigenen Nafs zu bändigen und uns in Gottesfürchtigkeit zu üben. Der heilige Monat bietet uns mehr als genug Möglichkeiten, die Kontrolle über uns selbst, unsere Bedürfnisse, unsere Begierden und Gefühle zu kontrollieren, Wut sowie Glückseeligkeit im Gleichgewicht zu halten und vorallem das Erlernte hinsichtlich der Selbstkontrolle stets umzusetzten und beizubehalten, und nicht wieder in das alte Schema zurückzufallen. Am Ende der Fastenzeit geht es u.a. auch darum, Gott näher gekommen zu sein, und besser als sein „altes ICH“ zu sein. Auch ist sehr empfohlen, im heiligen Monat Ramadan den kompletten Quran zu lesen bzw. zu rezitieren. Manch einer, der im ganzen Jahr den Heiligen Quran nicht einmal zur Hand nimmt, kann auch dies in dieser segensreichen Zeit „trainieren“. Allah (swt) gibt uns so viele Möglichkeiten, in diesen spirtuellen Tagen und Nächten um Vergebung zu bieten, aufrichtig von ganzen Herzen Reue zu zeigen und sich zu bessern. Durch die Fastenzeit gibt Allah (swt) die Chance, unser Leben nochmals von neu zu beginnen, und vorallem während den Nacht der Bestimmung von unseren Sünden zu reinigen.

Imam Muhammad al-Baqir (as): „Wer immer während des Ramadan bei Tage fastet, in Teilen der Nacht zum Gebet aufsteht, seine sexuellen Begierden und Gefühle beherrscht, seine Zunge zügelt, seine Augen niederschlägt und die Gefühle anderer nicht verletzt, wird am Ende des Ramadan von Sünden frei werden, wie er am Tage der Geburt war.“

Die Zeit während dem heiligen Monat Ramadan ist gesegnet durch Vergebung, Gottesliebe, Gutherzigkeit, Nachsichtigkeit sowie Nächstenliebe. Allah (swt) durchströmt die Herzen seiner Geschöpfe mit Liebe, welche ihren Platz in unseren Herzen finden. In keiner Zeit können wir Gott so nah sein wie zu dieser Zeit und wenn wir stets daran festhalten und nicht nur 30 Tage im Jahr, wahrlich dann steht einem Leben als gutem, tugendhaften und gottesfürchtigem Muslim nichts mehr im Weg. Und genau dann werden wir verspüren können, was es heißt, Liebe, Glückseligkeit und Dankbarkeit zu empfinden.

Der edle Prophet saw sagte: “O ihr Menschen wahrlich der Monat Allahs kommt immer näher, voll des Segens, Erbarmens und der Vergebung Allahs. Es ist der Monat, welcher der beste Monat von Allah ist und seine Tage sind die besten aller Tage und die Nächte die besten aller Nächte und seine Stunden die besten aller Stunden. Es ist der Monat, in dem ihr zum Gastmahl bei Allah seid und euer Schlaf ist wie Gottesdienst und eure Taten sind angenommen und eure Bittgebete erhört. Darum bittet Allah mit aufrichtiger Absicht und reinem Herzen, dass er euch beim Fasten und der Quranrezitation Gelingen schenken möge. Unglücklich ist der, dem in diesem segenreichen Monat die Vergebung Allahs verweht bleibt.