Das Zuckerfest arab. Fitr-Fest

Der Heilige Monat Ramadan endet und das Zuckerfest beginnt.

Nachdem Muslime auf der ganzen Welt einen Monat lang gefastet haben, sind am Tag des Festes von überall her in den islamischen Ländern die Rufe zur Preisung und Danksagung Gottes zu hören. Zum Dank für den Segen des Monats Ramadan feiern die Muslime und Gott schickt die Engel mit dem Lohn für sie auf den Weg.

Der Prophet Muhammad (saaw.) sagt: „Wenn die Nacht zum Zuckerfest (arab. Fitr-Fest) begonnen hat, gibt Gott den Lohn der Fastenden im Überfluss.“ Da der Fastende nach dem Heiligen Monat Ramadan bestenfalls von allen Sünden gereinigt ist und seine Willensstärke bestmöglich gesteigert haben sollte, sehen viele Mystiker den Festanlass dieses Tages im Fortschritt der Selbsterziehung und der Wiederkehr zur Reinheit der Natur des Menschen (arab. Fiṭra). Der Gottesdienst im Heiligen Monat Ramadan bereinigt die Verschmutzungen der Fitra und ermöglicht es dem Muslim, zu seinem ursprünglichen Zustand zurückzukehren.

Imam Ali (as.) sagt über diesen Tag folgendes: „O ihr Menschen! Wahrlich, dieser euer Tag, ist der Tag, wenn die Rechtschaffenen belohnt werden und die Bösewichte verlieren. Es ist ein Tag, der dem Tag gleicht, an dem ihr vor eurem Herrn steht. Daher wenn ihr eure Häuser verlasst, um zu den Gebetsplätzen zu gehen, erinnert euch selbst an den Tag, an dem eure Seelen eure Körper verlassen, um zu ihrem Herrn zu gehen. Wenn ihr in euren Gebeten steht, so erinnert euch an das Stehen in der Anwesenheit eures Herrn (am Tage der Auferstehung). Und wenn ihr (nach dem Gebet) zu euren Häusern zurückkehrt, erinnert euch über euer Zurückkehren zu euren Häusern im Paradies.

O Diener Allahs! Wahrlich, der mindeste Lohn für diejenigen Männer und Frauen, die gefastet haben, ist ein Engel, der am Ende des Monats Ramadan zu ihnen rufen wird: O ihr Diener Allahs! Erfreut euch über die Botschaft, dass all eure vergangenen Sünden vergeben wurden. Daher seid achtsam den Dingen gegenüber, die eurer Wiederauferstehung nützen.“

Mit dem Festgebet kann der Festtag beginnen. An diesem Tag sollen speziell die familiäre und freundschaftliche Bindung gepflegt werden, worin in manchen muslimischen Ländern teilweise auch Verstorbene durch Friedhofsbesuche mit eingeschlossen werden. Die Freude ist nicht wegen dem Ende des Monats Ramadan, sondern wegen der Glückseligkeit, die den Menschen mit Freude erfüllt, wenn er eine wichtige Aufgabe erfüllt hat.

Alle Muslime ziehen sich besonders schöne Kleidung an, da es ein wichtiger Tag ist – besser ist es sich mit neuer Kleidung zu bekleiden. Auch das Haus ist festgemäß aufgeräumt und gesäubert – die Türken haben dafür sogar einen festen Namen „bayram temizliği“ was Festtagsputz bedeutet. Schon mindestens eine Woche vor dem großen Fest fangen türkische Familien an, von Fenster bis Teppiche – alles zu reinigen.

Es ist ebenfalls, vor dem Festgebet eine rituelle Vollkörperreinigung (arab. Ghusl) durchzuführen.

Das Festgebet ist ein Grund für die Einheit und Solidarität unter den Muslimen in der ganzen Welt. An diesem Tag ehrt man Allah (swt), den Erhabenen, für Seine endlose und allumfassende Barmherzigkeit und Gnade.

Das Fitr-Fest ist ein Tag, der den Muslimen zur Ehre gereicht. Die Muslime in Indien, Tadschikistan, Syrien, Libanon – kurz alle Muslime von allen Kontinenten nehmen an diesem Fest teil. Sie beglückwünschen sich und verrichten am Morgen den besonderen Gebetsdienst zu diesem großen Fest. Sie gehen zu den Gräbern der Verstorbenen und beten für sie, besuchen sich gegenseitig und besuchen Kranke und Bedürftige. Dabei soll niemand vergessen oder vernachlässigt werden.

Ab der Nacht zum 27. Ramadan fangen die Muslime in Malaysia bereits an ihre Straßen mit Lichtgirlanden zu schmücken. Mehrere Tage sind offizielle Feiertage und viele nutzen diese für eine Reise.

Die Muslime in Indonesien pflegen zum Zuckerfest einen Brauch, der sich „Mudik“ (=„Rückkehr zur Quelle“) nennt, das heißt also, dass sie die Feiertage nutzen, um an ihren Geburtsort zurückzukehren und um ihre Eltern und Verwandte zu besuchen.

Im Irak suchen die Muslime die Pilgerstätte von Imam Hussein (as) auf, dem edlen Enkelsohn des Propheten Gottes (s). Doch inmitten all dieser Freude bedrückt die islamische Welt auch ein großes Leid. Viele Muslime auf der Welt leiden, zum Beispiel in Palästina, Syrien, Irak oder in Afghanistan. Die Muslime fühlen sich ihnen gegenüber verantwortlich. So erheben sie zum Zuckerfest ihre Hände zum Gebet und beten für die Freiheit der unterdrückten Völker. Am Fitr-Fest ist es eine religiöse Pflicht den Bedürftigen zu helfen.

Im Hinblick dieser großen Signifikanz hinsichtlich dieses Festtages wurden zahlreiche Überlieferungen (arab. Hadith) – vom Propheten (s) und seiner Ahl-ul-Bayt (as) – aufgezeichnet, bestehend aus Gebeten und Gottesdiensten.

In der Nacht ist es sehr empfohlen Ghusl zu machen. Diese Nacht ist von hoher Heiligkeit und tiefgründiger Tugendhaftigkeit, welchen man nutzen sollte, vorzugsweise durch das Gottesdienst und Gebet.

Imam Zayn-ul-Abedeen (as) verbrachte die ganze Nacht in Andacht und sagte: „Diese Nacht ist genauso signifikant wie die Nacht der Bestimmung (arab. Laylat-ul-Qadr).“

Der Prophet Muhammad (s) wird zitiert, dass er (s) sagte: „Wer auch immer sechs Rakats in dieser Nacht verrichtet, und in jedem Abschnitt einmal „Al-Hamd“ und fünfmal „Qul-hu-Allahu-Ahad“ rezitiert, dem wird Allah seine Sünden vergeben.“

Haris Aawar überliefert über Imam Ali (a), dass er in dieser Nacht nach dem Abendgebet (arab. Salat al- Maghrib) ein Gebet mit zwei Rakats verrichtete. Er (a) rezitierte in der ersten Rakat einmal die Sure „Al-Hamd“ und hundertmal „Qulhu-Allahu-Ahad“ und in der nächsten Rakat rezitierte er beide Suren jeweils einmal. Nachdem Gebet macht er (a) die Niederwerfung (arab. Sujud) und sagte währenddessen hundertmal „Atubu ila Allah“, dann sagte er (a): „Ich schwöre bei dem einen Gott! Er (swt) hat die Kontrolle über mein Leben. Wer auch immer auf dieser Art und Weise das Gebet verrichtet, dem wird der Barmherzige jedes Bedürfnis erfüllen.“

Jedoch sollte sich der Mensch dessen bewusst sein, dass es moralisch gesehen nur für diejenigen einen Anlass zum Feiern gibt es für die, die sich von Sünden fernhielten, hierdurch zu ihrer natürlichen Veranlagung wiederkehrten und daraufhin Gott näher kamen. In einer Überlieferung von Imam Ali (as) heißt es auch, dass der ʿId al-Fitr nur für denjenigen ein Fest ist, dessen Fasten von Allah (swt) angenommen und für dessen Gebete Allah (swt) sich dankbar zeigte, und dass jeder Tag, an dem keine Sünden verrichtet werden, ein Festtag (arab. ʿId) ist, denn immer, wenn sich der Mensch von Sünden enthält, erlangt er seine eigene Rückkehr zu Allah (swt). Über diese Überlieferungen sollte man intensiver nachdenken. Jeder Tag, an dem wir keine einzige Sünde begehen, ist letztlich ein Tag des ʿId für uns.