Fasten auf Reisen

Der Monat Ramadan ist dafür bekannt, dass das Fasten (arab.: Saum) in diesem gesegneten Monat erfolgt. Es ist eine Pflicht jedes Muslims, doch was ist mit dem reisenden Muslim? Muss bzw. darf er überhaupt fasten?
Nach den schiitischen Rechtsschulen wird das Fasten während einer Reise ungültig und muss nachgeholt werden. Das hängt jedoch von Bedingungen und der absoluten Quelle der Nachahmung (arab.:Marjaa) ab.

Bedingungen:

1. Aufbruch zur Reise vor dem Eintritt der Mittagsgebetzeit (arab.: dhuhur) und Beendigung nach dem Eintritt der Mittagsgebetszeit, so muss das Fasten nach dem Erreichen der Zulässigkeitsgrenze gebrochen und später nachgefastet werden.
Die Zulässigkeitsgrenze (arab.: hadd al-tarachchus) beschreibt die Entfernung ausgehend von der Heimat, nach deren Überschreitung eine Reise beginnt. Es ist die Stelle außerhalb der Heimatstadt, an dem der Gebetsruf der Stadt nicht mehr zuhören ist bzw. die Grenzgebäude/Mauern nicht mehr zusehen sind. Die Strecke zu dieser Grenze muss mindestens 22.5 km betragen, d.h. insgesamt 45 km. Bricht man das Fasten schon vor der Zulässigkeitsgrenze, so muss man Sühne (arab.: Kaffara) leisten*

2. Aufbruch zur Reise nach der Mittagsgebetszeit, so ist das Fasten gültig und man ist zum Weiterfasten verpflichtet*

3. Aufbruch zur Reise nach dem Abendgebet (arab.: moghreb), wobei am Reiseziel jedoch noch kein Abendgebet eingetreten ist, so ist das Fasten trotzdem gültig, da man diesen Tag in seiner Heimat gefastet hat*

4. Wenn die Absicht (arab.: niyya) gefasst ist, an einem Ort mindestens 10 Tage zu verweilen, so gibt es drei Möglichkeiten:

– Ankommen vor dem Eintritt der Zeit des Mittagsgebetes ohne auf dem Weg etwas gemacht zu haben, was das Fasten brechen würde, so muss er die Absicht zum Fasten haben

– Ankommen vor dem Eintritt der Zeit des Mittagsgebetes jedoch auf dem Weg das Fasten gebrochen wurde, so ist das Fasten an diesem Tag ungültig und muss nachgeholt werden

– Ankommen nach Eintritt der Zeit des Mittagsgebetes, gleichgültig ob das Fasten gebrochen wurde oder nicht, so ist das Fasten ungültig und muss nachgeholt werden*

Die anderen verbleibenden Tage an jenem Ort werden normal weitergefastet.
Ein kurzes Beispiel zur Verdeutlichung:
Du fastest und an jenem Tag willst du in eine Stadt verreisen mit der Absicht mehr als 10 Tage dort zu verweilen. In deiner Heimatstadt ist schon das Mittagsgebet eingetreten und du fliegst los. Vor dem Eintritt der Mittagsgebetszeit hast du nichts gemacht, was dein Fasten brechen könnte. So musst du die Absicht zum Fasten fassen und diesen Tag fasten.

5. Wenn man diese Rechtsregeln nicht kannte, die das Fasten auf einer zum Fastenabbruch verpflichtenden Reise ungültig machen und aus Unwissenheit fastet, so ist dieses Fasten gültig und muss nicht nachgeholt werden.*
6. Wenn man jedoch mit Wissen über diese Rechtsregeln absichtlich auf einer Reise fastet, so ist das Fasten ungültig und man hat zusätzlich eine Sünde begangen.*
7. Und wenn man mit Wissen über diese Rechtsregeln absichtlich auf einer Reise fastet, jedoch bezüglich einer Besonderheit (z.B.: die nötige Strecke, die das Fasten ungültig macht) unwissend ist, so ist das Fasten ungültig und muss nachgeholt werden.*

Ist es erlaubt im Monat Ramadan zu verreisen?
Es ist erlaubt im heiligen Monat Ramadan zu verreisen, auch wenn es  nur aufgrund des Entkommens des Fastens ist. Wenn es jedoch vor dem 23. Tag von Ramadan ist, so ist dies verpönt (arab.: makruuh).*

*Nach Ayatollah Sayyed Ali al-Khamenei, Ayatollah Sayyed Ali al-Sistani und Ayatollah Sayyed Hussein Fadlallah
Die drei aufgelisteten Maraje3 teilen ihre Meinung und unterscheiden sich in keinen Aspekten, die eine Bedingung ändern würden.