Gesundheitliche Aspekte

Jedes Jahr an Ramadan fasten Muslime aus aller Welt einen Monat lang. Dabei wird den ganzen Monat von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang strikt auf jegliche Art von Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr verzichtet.

Hält der menschliche Körper, vor allem an den heißen und langen Sommertagen, diese Art von Fasten aus? Bringt das Fasten doch gesundheitliche Folgen mit sich?

Aus medizinischer Sicht ist zu sagen, dass das Fasten während Ramadan sogar gesund sein kann. Zum einen können Selbstbeherrschung und Geduld trainiert werden. Diese Art von Nahrungskarenz kann nämlich das Bewusstsein stärken, nicht ständig essen zu müssen. Weiterhin kann das Fasten zur positiven Folge haben, dass einem anschließend vieles Ungesunde, was man regelmäßig zu sich genommen hat, nicht mehr schmeckt. Es kommt zu einer Entgiftung des Körpers. Der Körper ist durch Veränderung seiner Stoffwechselvorgänge in der Lage, sich schnell an diesen Hungerzustand zu gewöhnen und sich auf den neuen Rhythmus der Nahrungsaufnahme einzustellen. Nach wenigen Tagen kann man sich sogar durch das Fasten glücklich und befreit fühlen. Es entsteht ein allgemeines Wohlbefinden. Nach Sonnenuntergang und vor Morgendämmerung versorgt man sich für den nächsten Tag mit ausreichend Nährstoffen. Hier ist jedoch zu beachten, dass auf fettige, frittierte Nahrungsmittel zu verzichten ist. Es kann nämlich zu Magendarmbeschwerden und Sodbrennen kommen, wenn man nach einem langen Tag ohne Nahrungszufuhr auf einmal fettiges Essen verzehrt. Es wird empfohlen vor Sonnenaufgang Kohlenhydrate und Ballaststoffe zu sich zu nehmen, da diese für ein längeres Sättigungsgefühl sorgen. Für die Mahlzeit nach Sonnenuntergang sollte reichlich Gemüse und Obst gegessen werden. Auch Geflügel und Fisch werden empfohlen. Außerdem sollte sowohl vor Sonnenaufgang, als auch nach Sonnenuntergang auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden, am besten mit Wasser oder ungesüßten Tee. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist für eine adäquate Nierenfunktion unabdingbar.

Jedoch kann es gerade während der oben erwähnten, anfänglichen Umstellungsphase des Körpers zu Beschwerden wie Blutdruckabfall, Schwindel, Müdigkeit, Kopf-, Rücken- oder Gliederschmerzen kommen. Diese passieren meist am zweiten oder dritten Fastentag. Weiterhin können Unterzuckerung und Flüssigkeitsmangel, besonders bei körperlicher Überanstrengung die Folgen sein.

Ein gesunder Mensch, der richtig fastet, sprich auf eine ausgewogene Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang achtet, dem drohen prinzipiell keine körperlichen Beeinträchtigungen durch das Fasten.

Je nachdem wie viele Reserven der menschliche Körper besitzt, ist zu sagen, dass sogar ein mehrwöchiges Überleben ohne Nahrungsaufnahme möglich ist. Beim Fasten läuft nämlich der Körperstoffwechsel etwas anders als sonst ab. Der Körper passt sich dem Hungerzustand an. Er verfügt über einen Glykogenspeicher von ca. 7000kJ. Glykogen ist ein Glucosespeichermolekül. Dieser Speicher wird nach einem Fastentag aufgebraucht, sodass der Körper seine Energie nun aus den größeren Speichern bezieht: dem Fettdepot (ca. 600000 kJ) und dem Proteinspeicher (ca. 100000kJ). Das Ziel von diesem Stoffwechselumbau ist es, den Blutglucosespiegel auf einen konstanten Wert zu halten, damit das Gehirn und die Blutzellen noch normal arbeiten können. Nach drei Fastentagen akkumulieren zunehmend Fettsäureabbauprodukte, das sogenannte Acetyl-CoA. Die Umstände im Körper führen nun dazu, dass aus diesem Acetyl-CoA in der Leber Ketonkörper hergestellt werden. Diese Ketonkörper sind bei Hungerzuständen mit erniedrigtem Glucosespiegel, die Energielieferanten für das Gehirn und auch für das Herz.