Gruende und Verpflichtungen des Fastens

Das Fasten im Monat Ramadan ist für jeden Muslim Pflicht. Doch was sind die Gründe und Hintergründe des Fastens? Was ist das Ziel?

Zuerst einmal muss jedem bewusst sein, dass Gottes Gebote und Pflichten stets die Rechtleitung und Läuterung der Seele erzielen. Nie möchte er, dass sich der Mensch quält, er verhungert oder gar verdurstet.

 

Selbsterziehung

Das Unterdrücken des Hungergefühls ist ein Kampf gegen den Hungertrieb. Diese Art der Selbsterziehung verhindert den Sieg der Begierde über den Verstand, welcher uns Menschen von Tieren unterscheidet.

Diesbezüglich sagte unser Prophet Mohammad (s):
„Ich fürchte zwei Dinge für meine Ummah (die islamische Weltgemeinschaft): Dass sie Sklaven ihrer eigenen Begierden und Sklaven ihrer Sehnsüchte werden könnte.“

Durch jene erwähnte Erziehung lernt der Mensch seine Begierde unter Kontrolle zu halten.
Denn auch schlechte Worte und Gedanken müssen unterdrückt werden und dürfen nicht auf den Zungen der Gläubigen liegen.

 

Demut und Dankbarkeit

Im heiligen Monat von Ramadan erteilt Allah swt. dem Muslim die Möglichkeit, das Leid und das Gespür des Hungernden kennenzulernen. Dies, damit wir spenden und unsere Herzen erweichen, wenn wir die Bedürftigen sehen und sie ihre bittende Hand ausstrecken.

Der Trieb der Hilfsbereitschaft der Schwachen und Bedürftigen gewinnt und wir helfen den Mensch in Not. Und dies nur, weil wir für einige Stunden den Zustand ihrer Lebensumstände spürten. Auch hier wird der Gläubige verpflichtet, eine bestimmte Almosenabgabe zu entrichten. Wir fangen an für all die Gaben dankbar zu sein und erkennen, dass dies keineswegs selbstverständlich sind.

Im Gegenteil: Wenn Sünden uns bewusst werden und dennoch die vielen Gaben sehen, versetzten wir uns in Demut und sind dankbar. Dankbar, für ein Stück Brot und demütig, da wir jenes nicht verdient hätten.

Jene Dankbarkeit und Wertschätzung Gottes Gaben, lässt uns vom verschwenderischen Handeln absehen. Wie schwer fällt es dem Fastenden Essen wegzuschmeißen?

 

Ein weiteres Ziel des Fastens ist die innere Einkehr. Man mag dem nicht bewusst sein, aber das Essen beschäftigt den Menschen und lässt ihn beschäftigt sein. Wie viel Zeit und Geld hat man, wenn man auf das Essen verzichtet und/oder es minimiert?

Diese Zeit ist da, um in sich einzukehren und um über den eigenen Zustand nachzudenken.
Der Entzug vom Essen lässt den Fastenden nicht zu verschwenderisch zu sein. Denn der Fastende hat ein neues Gespür für die Gaben Gottes.

 

Vervollkommnung des edlen Charakters

Zu einem edlen Charakter gehört außer der Demut und Dankbarkeit die Geduld.

Ein weiser Mann sagte einst: „Wenn dir ins Gesicht gespuckt wird, so strahle Liebe heraus.“ – wie schwer ist jenes Verhalten im fastenden Zustand? Wo der Mensch doch viel gereizter und unruhiger ist? Aber wie edel ist es, seine Emotionen zusätzlich unter Kontrolle zu halten?

Der Mensch lernt über sich und seinem Verhalten Kontrolle zu haben. So schützt er sich und seine Gesellschaft vor dem Untergang.

 

Wir sehen, dass die Folgen des Fastens eine Kettenreaktion auslöst. Wenn wir unseren Hunger unterdrücken, kontrollieren wir einen sehr starken Trieb. Wenn wir dies schaffen, fällt es uns umso leichter, die anderen Triebe, wie das Sexualtrieb beispielsweise, zu kontrollieren.

Kontrolle bedeutet Geduld und die Geduld ist eine Eigenschaft der edlen Charaktereigenschaften.
Es bedarf an viel Geduld und Kraft an langen, heißen Sommertagen zu fasten. Jene Geduld wird durch Selbstbeschäftigung unterstützt und die einfachste und bei Gott am angesehenste Beschäftigung ist das Nachdenken.

Der Mensch wird sich seinem verschwenderischen Zustand bewusst, fühlt mit den Bedürftigen und Schwachen. Er wird dankbar und demütig. Dankbar für Gottes Natur, demütig, weil er seine Sünden kennt.
Das Fasten ist ein Kampf gegen die Habsucht, Arroganz, Rassismus und der Verschwendung, stattdessen ist das Fasten die Aneignung von Geduld, Selbstdisziplin, Kontrolle, Hilfsbereitschaft und Fürsorge.

 

All dies läutert die eigene Seele. Und das ist damit gemeint, wenn man sagt, dass der Teufel in Ketten gelegt wird. Denn keine Waffe ist stärker als das Fasten. Denn wenn wir fasten, kontrollieren wir unser Inneres. Kein anderer.